Review: Mp3s im Netz IX

Mai 27th, 2006

Ich habe so viel Musik entdeckt, dass dieser Mp3-Tipp früher kommt als normalerweise. Aufgrund der aktuellen Aufregung über die eDonkey-Razzia waren einige Musiktipps im Heise-Forum zu finden, und auch sonst passieren seltsame Dinge, z.B. macht Greg Graffin jetzt auf Neil Young.

Bei dem von Bad Religion-Gitarrist Brett Gurewitz 1981 gegründeten Indie-Label Epitaph gibt es ein Mp3 des Bad Religion Sängers Greg Graffin. Das kommende Solo-Album "Cold As The Clay" soll am 11. Juli erscheinen. Der Song wird mit Akustikgitarre und Mundharmonika begleitet und das Intro klingt wie "Heart of Gold" von Neil Young. Merkwürdig, merkwürdig… aber ich find's ganz nett, auch wenn der Song recht kitschig klingt. "Lyrically, I tried to depict timeless snapshots of American life, just as the enduring old-time songs we continue to sing today weave pastoral ideals into our modern-day complexity." schreibt Greg Graffin. Oder: "We set out create a record that would honor the legacy of American music, and it is my hope that we were able to capture a lasting musical moment." Klingt ja recht patriotisch für einen Punkrocker. Aber ich mochte auch schon immer amerikanische Musik und find's also OK.

Aber wo wir gerade beim Thema sind: Wir sind hier ja schon einer starken Beeinflussung durch amerikanische Musikkultur ausgesetzt. Und hier gibt es kaum noch eine, wärend dort, wo weniger auf "geistiges Eigentum" gegeben wird, eine eigenständige Folklore blüht.

Shearer aus Berlin, die mit dem Claim "Kick Ass Rock" für sich werben, machen schon eher das, was man von Greg Graffin erwartet hätte, nämlich melodischen Punkrock. Die (zumindest bei mir) nicht sonderlich gut funktionierende Downloadfunktion der Seite hat mich allerdings davon abgehalten, mir alle Songs der angebotenen Platte 'runterzuladen, so kann ich nur meinen ersten Eindruck wiedergeben: die Jungs sind nicht schlecht an ihren Instrumenten. Der Gesang könnte für meinen Geschmack noch ein ganz klein wenig ausgereifter sein, aber das kann ja noch kommen. Neuartig ist die Musik nicht, aber wer melodischen Punkrock mag, dem wird sie bestimmt gefallen. Die Songs werden unter einer CC-Lizenz zum Download angeboten, was ich super finde.

Auch den poetischen Folk-Pop von Patti Witten habe ich durch ein nettes Heise-Forums-Mitglied kennengelernt. Dazu sage ich nur: Anhörbefehl. Sofort und keine Widerrede. Der Song Black Butterfly war für mich der Einstieg. Zucker für die Seele.

doctor paradox: the metaphysician nennt sich ein Elektro-Musik-Produzent (oder Produzentin? Das weiss man ja im Netz nie so genau). Da auch sonst die Informationen auf der Seite recht spärlich sind, kann ich nicht viel erzählen, ausser dass es sich um "experimentelle" Songs handelt, die teilweise mit Sprach-Samples unterlegt sind. "Experimentell" im Sinne von Musik, bei der man zuhören muss, sind aber nicht alle Tracks. Manche grooven ganz schön (girls of good breeding) und manche kann man auch mal im Hintergrund laufen lassen (is it true the world exists?). "I remix, therefore i am" steht in dem Blog von Doctor Paradox. Es ist aber bei einigen Tracks so viel Gitarre zu hören, dass ich vermute, dass zumindest diese eingespielt und nicht geklaut gesampled ist. Scheint mir recht homemade, aber da sind ein paar sehr erfrischende Stücke dabei. Ich habe die Seite über Creative Commons gefunden. Jetzt ratet mal, unter was für einer Lizenz die Stücke stehen.
Nachtrag 03.06.06: Scheint momentan offline zu sein. Schade.

"Raggamaffia versteht sich als junge und unabhängige "Open Source Community" fernab gängiger Klischees des Dancehall Bereichs", kommen aus Österreich und machen wie der Name schon sagt, Raggamuffin und andere Reggae-verwandte Musik. Kein schlechter Sound und auch die Texte sind super. Die "Tiroler Mundart" wirkt natürlich auf mich als Nordlicht etwas befremdlich, aber da gewöhnt man sich schnell dran ;) . Z.B. den Song "Gib niemals auf" im DnB Edit finde ich echt fett. Die Sounds klingen manchmal etwas "elektronisch", aber ich finde, das ist gut eingesetzt.

Auf deren Homepage fiel mir ein Tenor Saw-Zitat in's Auge, welches sich zwar auf rivalisierende Soundsysteme bezieht, aber auch gut zur aktuellen Musiklandschaft passt:

Ring the Alarm, another Sound is dying.

bs

Entry Filed under: Mp3 Downloads, Musik

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18 Comments Add your own

  • 1. FALK stands for FUCK ART,&hellip  |  Mai 27th, 2006 at 14:55

    [...] Freie Musik = minderwertig? Nebenan beim Musikdieb gibts wieder mp3-Empfehlungen. Und hier die Empfehlung da mal vorbeizusurfen. Und dabei stiess ich dann auf eine Fred im Heise-Forum, welches ich aufgrund des hohen Anteils an Trollen eher meide, denn aufsuche. Und siehe da, ein Sammelthread für freie Musik wird aufgemacht und prompt… [...]

  • 2. Boogie  |  Mai 27th, 2006 at 14:56

    "Aber wo wir gerade beim Thema sind: Wir sind hier ja schon einer starken Beeinflussung durch amerikanische Musikkultur ausgesetzt. Und hier gibt es kaum noch eine, wärend dort, wo weniger auf "geistiges Eigentum" gegeben wird, eine eigenständige Folklore blüht."

    Stimmt, war es doch ein trommelnder Däne, der damals mit der Napster Geschichte, die Aufmerksamkeit auf das Thema gezogen hat. *g*

    Und was die "Amerikanische Musikkultur" angeht: ich kann nicht ganz nachvollziehen woher dieses: "Die haben eine eigene Musikkultur und wir nicht. Kommt eh alles von über'm Ozean"-These herkommt. Ganz besonders gern wird diese These ja in Sachen "Folklore" vertreten. Nur durch's ständige wiederholen wird sie nicht wahrer. Gerade die amerikanische Folklore ist durch nichts so stark beeinflußt wie durch Folklore von anderen Kontinenten und zwar Europa und Afrika. Hingegen ist die Folklore der amerikanischen Ureinwohner praktisch ohne jeden Einfluss geblieben.

    Und nicht zu vergessen, das wohl wichtigste Instrument im Folk (und auch Pop) brachten uns die Mauren mit, als sie im 10. Jahrhundert Spanien eroberten.

    Greg Graffin gefällt mir recht gut. Brett Gurewitz auf den Spuren von Rick Rubin. Ich bin mal gespannt, wie der Rest des Albums ist. Patti Witten hingegen verbreitet bei mir nur gepflegte Langeweile. Vielleicht würde ihr der Tipp von Rosanne Cash ganz gut tun: "Mehr 3 Akkord Songs schreiben".

    So, und jetzt besuch ich mal die Raggamaffia Seite. Happy Weekend wünscht der Nachbar.

  • 3. Musikdieb  |  Mai 27th, 2006 at 16:14

    Zu Patti Witten: Manchmal bin ich ein wenig vorschnell mit meinem Enthusiasmus, bei den weiteren Songs von ihr, die ich mir angehört habe, könnte ich dir evtl. zustimmen, aber Black Butterfly find ich super. Aber manchmal schadet auch etwas "Langeweile" nicht, ich zieh' mir ja sonst auch manchmal das extremste Zeug rein ;) .

    Zu dem Folk: Ich meinte eigentlich weniger die Dänen, sondern zum Beispiel weiter südlich oder östlich. Kennst Du z.B. Fanfare Ciocarlia aus Rumänien?
    http://www.asphalt-tango.de/welcome-atr.html
    Die haben auch schon alle möglichen Awards gewonnen. Supergeiles Blasorchester. Oder Flamenco in Spanien. Diese ganze Musik basiert ja auf bestimmten Rythmen und Versatzstücken, die sozusagen Allgemeingut sind. Ähnlich wie ja auch im Reggae die Kultur des Coverns und Remixens stärker ausgeprägt ist als bei uns.

    Amerika ist da wieder 'ne andere Nummer. Hast natürlich recht mit dem europäischen Einfluss. Hatte ja gerade schon die Geschichte des Pop und Rock verlinkt: http://www.fes.de/new_media/music/musi.html.
    Die fängt ja auch mit irischer Pub-Musik an. Dieses Feeling hat Shane McGowan gut in die heutige Zeit übersetzt, wie ich finde (Auch wenn der Mann für seinen Alkoholkonsum oft kritisiert wurde/wird). Teilweise schon mit den Pogues, aber später mit den Popes noch mehr haben die Songs sehr nach einer Mischung aus irischem Folk und Blues/Rock und Country oder "amerikanischem" Folk geklungen. Auch die Texte beziehen sich ja oft auf historische Themen.

    Aber ich komme vom Thema ab, also: Die "Die haben eine eigene Musikkultur und wir nicht. Kommt eh alles von über'm Ozean"-These vertrete ich nicht zu 100%, aber ein wenig was ist da schon dran, finde ich, ohne das jetzt werten zu wollen oder sich gar darüber zu beschweren. Das hat wie ich denke verschiedene Gründe, z.B. allein schon die wesentlich weiter verbreitete Sprache, die im Zeitalter von Massenmedien natürlich noch mehr in's Gewicht fällt. Außerdem ist der Markt in Amerika selbst größer. Und um wieder zum "geistigen Eigentum" zu kommen, ich habe den Eindruck, dass die amerikanische "Fair Use"-Regelung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Fair_use ) manchmal etwas mehr Freiheit beim Verbreiten von Kultur gestattet als das bei uns der Fall ist. So genau kenne ich mich da zwar nicht aus – aber auf welcher rechtlichen Grundlage werden denn solche Internetseiten betrieben wie die "Stairway to Heaven"-Seite oder wie machen das die ganzen Mp3-Blogger? Ich meine, ich hätte mal gelesen, die berufen sich auf dieses Gesetz und halten sich an bestimmte Regeln.

    Das mit dem "geistigen Eigentum" war eher in diesem Sinne gemeint und nicht auf massenhaftes Filesharing bezogen.

  • 4. Boogie  |  Mai 27th, 2006 at 17:12

    *g* Ich hatte den Link zur "Geschichte der Popmusik in 3 Minuten" zuerst als Satire verstanden. Aber wahrscheinlich meinen die Jungs das Ernst (vor allem wenn man sich die anschließende "Diskussion" durchliest).

  • 5. Musikdieb  |  Mai 27th, 2006 at 19:09

    Hatte ich mir noch gar nicht durchgelsen (bin auch manchmal vielleicht etwas vorschnell mit meinen Linktipps ;) ). Jetzt sehe ich, dass du recht hast – so ganz ernst kann man die Seite wohl nicht nehmen. Die Sache mit den Hörbeispielen finde ich zwar nach wie vor super, und die Reihe fängt wie ich finde auch ganz brauchbar an, aber nachher ist die Auswahl doch etwas willkürlich und die Geschichte der Musik haupsächlich an den Hörbeispielen aufzuhängen wird der Sache wohl nicht gerecht. Aber gerade daran zeigt sich imho, dass die Pop- und Rock-Musik seit den ersten Massenmedien immer weiter "in die Breite gegangen" ist. Als es noch nur wenige Radio-Stationen gab konnten noch Massenphänomene wie Elvis oder die Beatles entstehen. Später, in den 70ern und 80ern gab es schon die wildesten Musikstile und spätestens seit der Computer Einzug in die Musik gehalten hat, schwindelt einem ja der Kopf, wenn man das alles unter einen Hut bringen will. Da sind die Genreübersichten der Zeit ( http://www.zeit.de/online/2005/49/genres ) schon ein besseres Beispiel für den gelungenen Einsatz von Hörbeispielen, die wollen wenigstens nicht "Rock und Pop" als Ganzes erklären…

    Dazu, habe ich gerade gesehen, gibt's z.B. ein Wiki-Portal "Rockmusik": http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Rockmusik
    Da kann man wenigstens selber was eintragen, falls man der Meinung ist, da fehlt was Entscheidendes. :)

  • 6. Thomas Mayer  |  Mai 28th, 2006 at 19:00

    mehr freie Musik gibts unter

    http://www.track4.de/

    und speziell Afroreggae der band Mamatongue aus Kassel
    könnt ihr hier hören

    http://www.track4.de/play/player.php?songId=26451.mp3

    liebe Grüsse vom TOM

  • 7. Musikdieb  |  Mai 28th, 2006 at 19:32

    Echt ein schöner Song, Danke für den Tipp!
    Track4 ist ja schon länger auch in meiner Linkliste auf der Home-Seite. Scheint mir ein recht brauchbares Portal zu sein.

  • 8. Olli vonne shearers  |  Mai 29th, 2006 at 08:45

    Erstmal dank für die Kritik zur Platte. Nur was die Downloadfunktion betrifft …. was geht da nich ???

    Thx

    _der Olli vonne shearers

  • 9. Musikdieb  |  Mai 29th, 2006 at 09:29

    Kritiken schreiben tu ich ja gerne, danke für die Nachfrage! ( Ich habe gerade gesehen, dass ich Idiot den Flash-Player auf eurer Seite übersehen habe, der hätte ja gereicht zum Anhören – bin manchmal etwas vorschnell, habe mich wohl zu schnell an der Downloadseite festgebissen). Werde die restlichen Stücke also alle noch hören!

    Bei der Downloadfunktion bin ich davon ausgegangen, dass man auch mehrere Stücke gleichzeitig runterladen kann. Nachdem das mit _allen_ Songs nicht ging, habe ich es mit weniger probiert, bis ich schließlich festgestellt habe, dass bei mir (Mozilla Firefox) nur einzelne Stücke ankommen. Sonst kommt ein leeres Zip-File an. Da dieses aber auch immer eine gewisse Zeit geladen hat, war es mir nachher zu mühselig, alle Stücke noch der Reihe nach runterzuladen, aber wie gesagt, ich war auch zu blöd, den Flash-Player zu finden.

    Tipp: Falls die Downloadfunktion nur für einzelne Stücke gedacht ist, würde ich das nochmal ausdrücklich dazuschreiben, damit solche DAUs wie ich klarkommen ;) .

  • 10. Musikdieb  |  Mai 29th, 2006 at 09:42

    Ach so ja, verdammt. Den Flash-Player kenne ich ja doch schon. Da sind ja nur Ausschnitte aus den Songs drin. Für den ersten Eindruck reicht das zwar, aber um eine Review zu schreiben, ist das natürlich was wenig.

    Bei der Gelegenheit aber mal die Frage: spielt Ihr auch mal in Hamburg?

  • 11. Olli vonne shearers  |  Mai 29th, 2006 at 14:48

    so habs jetzt gefixt geht jetzt. Einzeln oder alle …. was mann so will … Browserkacke …

    Würden gerne mal in Hamburg spielen. Sag uns wann und wo und wir sind da ;)

    Ne im Ernst is schwierg da was zu bekommen…Wenn Du nen Tip für uns hast, sag bescheid…

  • 12. Musikdieb  |  Mai 29th, 2006 at 21:26

    Super. Die Downloadfunktion klappt jetzt! Hab' das ganze Album gesaugt und höre es gerade. "Out of the dark" ist spontan mein Lieblingssong, obwohl ich "Shadow my Skin" auch hammermäßig finde (Hatte ja geschrieben, dass der Gesang mir ein wenig zu unausgereift scheint. Da dieses Lied hauptsächlich auf dem Gesang aufbaut, muss ich sagen: Da fehlt nicht mehr viel, um meinen Ansprüchen zu genügen – und die sind recht hoch). Geil!

    Von wegen Tips: Leider kenne ich momentan auch keine Konzertveranstalter hier und die Locations aufzuzählen, wo eure Mukke evtl. hinpassen würde, bringt ja auch nichts. Aber wenn sich was ergibt, sag' ich Bescheid!

  • 13. Olli vonne shearers  |  Mai 30th, 2006 at 09:31

    Danke, danke… danke! Schluss jetzt mit der Lobhudelei!!!

    Ich werde ja schon rot ;)

  • 14. Musikdieb  |  Mai 30th, 2006 at 16:34

    Naja, ich bin in gewisser Weise ein wenig voreingenommen. Ich mag nämlich melodischen Punkrock :)

  • 15. sunTexnik  |  Mai 31st, 2006 at 15:18

    ein freies autorisiertes remixalbum der chemicalbrothers gibt es hier. http://www.chemicalbrothersremixed.com/main.html
    um spenden für caritative zwecke wird gebeten.

  • 16. Musikdieb  |  Juni 1st, 2006 at 18:13

    Cool, danke für den Tipp. Hab' leider noch nicht reinhören können, aber ist bestimmt interessant. Chemicalbrothers sind ja schon ne Nummer.

  • 17. Phil Thomas  |  Juni 7th, 2006 at 23:48

    does anyone know how to run a successful mp3 site

  • 18. Musikdieb  |  Juni 8th, 2006 at 09:12

    Don't take money for mp3s

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