Mal ein paar Fragen

Oktober 14th, 2007

Anlässlich der 25. Mp3-Vorstellung stelle ich mir die Frage: Warum mache ich das eigentlich? Und euch die Fragen: Wie wird der Musikmarkt der Zukunft aussehen? Wie werden sich Musiker (im Netz) promoten und vermarkten?

Warum mache ich das eigentlich?

Am Anfang stand da tatsächlich der Frust, von der Musikindustrie jahrelang als CD-Käufer verarscht worden zu sein, und dann mit Aufkommen des Internets als Filesharer kriminalisiert zu werden. Ich habe mir schon früher viel Musik auf Audio-Cassetten kopiert und habe trotzdem jede Mark, die ich übrig hatte, in Platten gesteckt. Auch mit Filesharing hat sich das nicht geändert (Außer der Währung). Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich habe nie Filesharing in der Form von p2p betrieben. Das Internet war aber für mich aber eine Möglichkeit, auf einmal einen viel besseren Überblick über die Musikkultur zu bekommen, den früher nur die coolen Jungs hatten, die die noch cooleren Jungs kannten, die die Scheiben direkt aus London oder wasweissichwoher bekamen oder Radio-DJs, die Zugriff auf riesige Archive hatten. Klar habe ich mir auch mal das eine oder andere File von einem FTP- oder sonstigen Server gezogen, bei dem ich auch nicht genau wusste, ob es sich tatsächlich um ein legales Stück handelt. Trotzdem habe ich nicht weniger Geld für Musik ausgegeben als vorher. Nur gezielter.

Es war eine Trotzreaktion. "Ihr sagt, ich sei ein Dieb? OK, dann nehme ich diese Bezeichnung an und werde euch zeigen, dass man Musik nicht stehlen kann." Denn Musik kann man nicht stehlen! Es ist und bleibt bestenfalls eine Urheberrechtsverletzung und kein Diebstahl, urheberrechtlich geschützte Musik aus einer Tauschbörse runter oder rauf zu laden oder sonstwie zu kopieren. Und das Urheberrecht ist kein Naturrecht, sondern ein verdammt kompliziertes Gesetz, welches man in einigen Punkten ruhig mal hinterfragen kann, denn es ist normal, dass sich im digitalen Zeitalter was ändert. Musik ist digital verlustfrei kopierbar. Speicher wird immer billiger und die Dateien kleiner, durch Kompressionsformate. Aber auch das Produzieren und Vermarkten wird leichter. Das ist für echte Musiker eine Chance und kein Problem.

Leider sehen das z.B. Gema, die marktbeherrschenden Musikkonzerne oder die für's Urheberrecht verantwortlichen Abgeordneten anders. Daher werden hierzulande Musikern, die sich auf den neuen Markt einstellen wollen, noch mehr Steine in den Weg gelegt als nötig und daher ist die Mithilfe von uns allen gefragt: Wenn euch ein Stück, welches frei runterladbar war mal wirklich gut gefällt und ihr es öfter hört, dann tut was, für den Künstler, promotet ihn, geht auf Konzerte, kauft Musik direkt vom Künstler, oder lasst mal einfach so 'nen Euro rüberwachsen.

Ach so, ja. Und warum mache ich das nun immer noch? Gute Frage. Erstens habe ich meinen Hang zum Schreiben entdeckt. Es macht mir jedenfalls Spaß und ich bekomme ständig Lob für meinen Schreibstil (dabei schreibe ich nur einfach so drauflos). Zweitens habe ich mittlerweile eine relativ große Leserzahl. Drittens habe ich immer noch den Gedanken im Hinterkopf, mich stärker in das Musikgeschehen bzw. den Musikmarkt der Zukunft einzuklinken. Es fragt sich nur noch wie.

Wie wird der Musikmarkt der Zukunft aussehen?

Ich promote hier momentan also Künstler. Und es ist in aller Munde, dass Musikblogs die Rolle der Musikindustrie übernehmen werden. Zum Teil wird das sicher zutreffen. Daher interessiert mich als Musikblogger natürlich: Wie wird die Zukunft aussehen? Was meint Ihr? Wie wichtig wird das Internet sein, wie wichtig andere Medien? Woher bekommt ihr Musik-Empfehlungen? Woher bekommt ihr Musik-Empfehlungen im Netz – Blogs, Magazine, Social-Music-Plattformen? Wie können Musiker, die freie Musik veröffentlichen, Geld verdienen? Wie würdet ihr am liebsten für Musik bezahlen? Kauft ihr Merchandising-Artikel, z.B. T-Shirts? Wie wichtig ist euch eine Live-Präsenz? Was erwartet ihr als Band? Was erwartet ihr als Musikhörer? Was erwartet ihr als Blogger oder sonstwie am Internetgeschehen Beteiligte?
bs

Entry Filed under: Gedanken, Musik

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9 Comments Add your own

  • 1. Vielohrsophen » Die&hellip  |  Oktober 14th, 2007 at 15:40

    [...] Aufgemerkt, der Musikdieb hat was wichtiges zu sagen. [...]

  • 2. Oly 2.0  |  Oktober 15th, 2007 at 10:22

    Das sind eine Menge Fragen, Musikdieb. ;)
    Wie wird die Zukunft aussehen? Megageil und voller Kreativität, das ist meine Vorstellung von der Zukunft. Ich denke, das der Grundstein für eine autarke, globale Kunstszene, jenseits von Verwertungsgesellschaften und anderen Haien, gesetzt worden ist. Es bilden sich alternative Modelle zur gängigen Vermarktungspraxis und die besten werden sich etablieren. Aber welche sind gut? Wie kann ich das unterscheiden? Die Musiker und ihre Fans sollten sich auf Arbeit einstellen. Es gibt noch viel Regulierungs- und Erklärungsbedarf.

    Die Musiker, und andere Künstler, müssen sich noch stärker in die Diskussion einbringen, endlich den großen Plattenfirmen, Vermarktern und Verleihern den Rücken zuwenden und mit ihren Fans zusammen nach neuen Wegen suchen. Wir müssen uns in diesem Spiel unserer Rolle bewusst werden und stärker für die Erhaltung der Kunst eintreten – Künstler als auch Fan.
    Dazu ist in jedem Fall mehr Kommunikation und Interaktion notwendig. CD aufnehmen, verkaufen und von den Einnahmen leben – war gestern!

    Zum einen, Live Musik ist und bleibt ein Erfolgsfaktor, der sich auf die Wahrnehmung der Fans sehr positiv auswirken kann. Ein Künstler braucht die Bühne und die Nähe zu den Fans, -und genau hier, sehe ich noch enormes Potential für die Bands/Künstler, was die gemeinsame Arbeit angeht. Allgemein ist mehr Engagement im Eventbereich wünschenswert.
    Zum anderen gibt es da das Internet, welches mit seinen zahllosen Kommunikationsmöglichkeiten, die Beziehung Fan-Künstler sehr nachhaltig vertiefen kann.
    Ansatz: Fangemeinde und Künstler = Community. Gab es schon mal eine Jamsession über das Internet? So etwas lässt sich doch schon realisieren, oder? Reichweite=Global?

    Merchandise wird m.E. auch eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Was sind wir noch bereit für unsere Künstler zu tun? Kann ich mich an der Promotion meiner Lieblingskünstler beteiligen? Die Antwort ist: Ja ! Jeder kann unterwegs oder im Internet, auf Konzerte und Aktionen der Künstler aufmerksam machen. Druck dir selbst Handzettel oder betreibe ein Musikblog. :)

    Wenn sich z.B. eine Band eine Fangemeinde erspielt hat, die Fans Vertrauen zu ihren Lieblingen haben und die Gemeinschaft richtig gelebt wird, lassen sich zusammen noch ganz andere Aktionen gestalten. Ich vertraue der Kraetivität der Gemeinschaft.
    Ich muss hier aber zwischen Fans und Musikkonsumenten unterscheiden. Dem Fan bedeutet ein Kunstwerk mehr als nur spaßiger Zeitvertreib. Als Fan bin ich doch gerne mitverantwortlich für das Weiterkommen meines kreativen Idols. Genau diese Fans, du, ich und viele andere Musikfetischisten, werden eine tragende Rolle in der Verbreitung der Kunst einnehmen können. Jetzt und in der Zukunft! So long.

  • 3. Musikdieb  |  Oktober 17th, 2007 at 16:17

    Große Worte ;-) Aber du hast natürlich recht.

    Vielleicht habe ich die Fragen allerdings zu allgemein formuliert. Scheint ja keiner darauf eingehen zu wollen. Mir ging es auch ein wenig darum, rauszufinden, was die Leute konkret hier auf Musikdieb am liebsten sehen würden.

  • 4. Finn  |  Oktober 17th, 2007 at 18:41

    Sorry der späten Antwort – ich steige gerade auf Linux um und komme kaum zum Lesen.

    Als praktizierender Musiker sehe ich das Internet als eine vielverspechende Möglichkeit, unsere Musik (und auch die Musik unserer Gäste – wir veranstalten ja auch) viel breiter zu streuen, als es uns bisher möglich war. Gerade auch durch solche Blogs wie Deines, die für mich natürlich auch als Konsument eine wichtige Orientierungshilfe geben. Nicht nur die Möglichkeit Musik zu finden, sondern auch die vielen Infos rund um das Musikmachen und hören (z.B. cc-Lizenzen habe ich durch Musikdieb erst richitg kennengelernt) sind mir dabei wichtig.

    Ich selber höre inzwischen fast nur noch freie Musik, für mich ist es wesentlich spannender was da alles an interessanten Sachen zu finden ist – ich glaube schon, dass hier durch das Netz ein großer Kreativitätsschub stattgefunden hat, und ich lasse mich gerne von den vielen Ideen inspirieren.

    In Zukunft denke ich, das Tonkonserven (zumindest in dem Rahmen, in dem wir Musik produzieren), kaum mehr Geld bringen werden. Ich würde mir wünschen, dass die Leute wieder mehr in die Clubs und kleinen Veranstaltungsorte gehen würden. Vielleicht ist das Netz hier auch eine Möglichkeit, mehr Publikum für kleine Bands/Projekte/KünsterInnen neugierig zu machen und vor die Bühne zu ziehen.

    Mal sehen was kommt, ich finde es sehr spannend und ich finde, wir stehen erst am Anfang der Entwicklung und es wird sich noch viel ändern.

    Just my 2 Cent.

    Und Du mach ruhig so weiter wie bisher. Ich lese den Musikdieb sehr gerne und mir gefällt auch die Vielfalt der Themen!

  • 5. Musikdieb  |  Oktober 17th, 2007 at 22:23

    Vielen Dank für das Lob :oops:

    Was wäre ich bloß ohne so treue Leser wie dich ;-)

    Ich würde mir wünschen, dass die Leute wieder mehr in die Clubs und kleinen Veranstaltungsorte gehen würden. Vielleicht ist das Netz hier auch eine Möglichkeit, mehr Publikum für kleine Bands/Projekte/KünsterInnen neugierig zu machen und vor die Bühne zu ziehen.

    Sehe ich auch so. Und ich hab' den Eindruck, das passiert schon.

    Aber das ist auch ein guter Hinweis. So nach dem Motto "think global, act local". Wenn ihr mit Bloeck und Bass mal irgendwo im Norden unterwegs seid, sag Bescheid, falls ich in Hamburg einen Auftritt für euch organisieren soll. :-)

  • 6. Robert  |  Oktober 17th, 2007 at 22:31

    GEMA, Plattenfirmen, kommerzielle Musik – das alles erscheint doch für einen „Menschen 2.0“ als Relikt aus der Steinzeit. Klar gibt es auch gute kommerzielle Künstler, aber ich merke bei mir, dass ich mir bei denen immer mehr überlege, bevor ich mir ein Album kaufe, während ich bei CC-Musik viel weniger Hemmungen habe. Mein Repertoire an freier Musik wächst nicht zuletzt wegen meiner Radiosendung (kein Musikblog, aber auch nicht schlecht), sondern auch weil es soviel und soviel gute freie Musik gibt.

    Die Frage ist eigentlich nur noch, wie man in einer durchkommerzialisierten Welt ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erhält. Der AStA der Uni Marburg ist mit seiner Compilation mit Konzert schon ein guter Anfang, auch die ganzen Netlabels, Musikblogs, …

    Noch ist das ganze auch eine ideologische Frage, aber ich denke, dass das mit freier Musik bald wie mit freier Software wird: Die Leute holen es sich, weil es gut ist. Meinen Freunden ist es gleichgültig, unter welchen Bedingungen die Musik, die ich auflege, entstanden ist, solange es gute Musik ist. Und das kann freie Musik meiner Meinung viel besser, da es dort keinen Kommerzdreck auf Dauerrotation gibt. Die Zeichen stehen auf Zukunft!

  • 7. Musikdieb  |  Oktober 18th, 2007 at 08:49

    Stimmt, aber ich frage mich: Ist es gut, das Ganze allzu ideologisch bzw. idealistisch zu sehen? Als "Konsument" möchte ich auch mal AC-DC hören, wenn mir danach ist und als Musiker wäre ich ja blöd, wenn ich auf Gema-Einnahmen verzichten würde, wenn mir diese rein rechnerisch einen Teil des Lebensunterhalts sichern könnten.

    Grundsätzlich bewegt sich bei mir ja auch alles in die Richtung freier Musik. Aber im Vordergrund steht nach wie vor erst mal die Musik, und nicht die Lizenzbedingungen. Wobei im gegenteiligen Fall Künstler wie z.B. Metallica, die sich klar auf die Seite der Musikindustrie in den Filesharing-Prozessen gestellt haben, bei mir unten durch sind und nur noch auf den Plattenteller kommen, wenn's unbedingt sein muss.

  • 8. Musikdieb  |  Oktober 18th, 2007 at 10:45

    Was ich sagen will, ist: Freie Lizenzen alleine sind m.E. nicht die Lösung der Probleme mit dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter. Sie sind sicher ein Schritt in die richtige Richtung und zeigen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Aber eigentlich müsste sich auch von Seiten der Gesetzgebung was ändern.

    Warum zum Beispiel werden Songs, die unter freier Lizenz stehen, nicht von der Gema vergütet? Wenn der Song im Radio gespielt wird (in einem klassischen Radio-Sender, wo der Betreiber Gema-Gebühren zahlt), so müsste doch eigentlich die Gema als staatliche Gesellschaft diese freien Songs genauso vergüten wie andere.

    Wenn sich die Gema gegen sowas sperrt (ich kann nur vermuten, wegen Lobby-Arbeit der großen Konzerne), so kann es passieren, dass der Musikmarkt noch lange gespalten sein wird…

  • 9. Lokalnachrichten #15 : sl&hellip  |  Oktober 19th, 2007 at 12:46

    [...] Nicht mehr auf Sendung, zumindest vorerst bloggenderweise: der groovende zwergenhütende Nachbar. Schade, aber vielleicht klappt es ja trotzdem mal mit einer gemeinsamen Bohnenheißschale? Dafür hat der diebische Nachbar die Sommerpause für beendet erklärt und widmet sich, ebenso wie die Jungs von Tapete, wiedermal den Fragen: Warum mach ich das eigentlich? Wie geht's in Zukunft mit der Musikindustrie weiter und wie promoten sich Labels und Musiker im Netz? Diebisches aus der Gegenwart gibt's hingegen von der Rückseite der Repperbahn zu berichten. Einen Blick zurück – ziemlich weit zurück und toll bebildert – wirft dagegen das Tour-Blog. Nicht ganz soweit zurück trägt die kleine Nachhilfestunde in Sachen (Pop)-Geschichte im Music and Coffee Blog. [...]

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