"Hamburger Erklärung": Heise-Leser empört
Juli 13th, 2009
Heise Verlag unterzeichnet eine Erklärung von Verlagen, die von der Regierung mehr Schutz "geistigen Eigentums" fordern und macht sich damit bei vielen Lesern unbeliebt.
Im Grunde ist es verständlich – jeder will seinen Teil vom Kuchen abbekommen. Wenn es zu einer Kulturfatrate kommt (ich vermute es, denn die Konzerne würden sonst bald ziemlich in die Röhre schauen), dann ist es natürlich gut, vorher schon mal Ansprüche geltend gemacht zu haben. Okay, liebe Verleger, ihr wollt also auch was abhaben, wenn ich das mal so interpretieren darf. Gut. Verständlich. Aber könnt ihr das nicht klar sagen? Muss wieder mal undifferenziert der "Schutz geistigen Eigentums" gefordert werden, was Politiker dazu veranlasst, solche Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung umzusetzen? In einem undifferenzierten Schreiben, in dem die irreführende Parole von "rechtsfreien Räumen im Internet" verwendet wird?
Heise Redakteur Jürgen Kuri versucht im Heise-Forum die Wogen zu glätten, wo die Leser zum Teil schwer aufgebracht sind und darauf verweisen, dass unter anderem auch IHRE Beiträge das Heise-Angebot attraktiv machen. Kuri nennt das Argument, dass kommerzielle Wiederverwendung gemeint sei – ich wüsste allerdings nicht, dass das legal wäre oder dass es Schwierigkeiten gäbe, das im Internet zu verhindern. Dann lenkt er etwas ein: "Ich persönlich halte es auch für eher unglücklich, hier einfach mit Forderungen an die Politik zu operieren, die eigentlich nur als Ruf nach schärferen Gesetzen verstanden werden können. Was aber auf jeden Fall notwendig ist: Eine breitere Diskussion als nur in einer bestimmten Szene, wie denn das Urheberrecht bzw.die Finanzierung von Inhaltsangeboten im Internet künftig aussehen können.". Mein Lieblingsthema! Urheberrecht! Und wie könnte die Finanzierung von Inhaltsangeboten im Internet künftig aussehen? Tja, ertstmal muss ich mir eine gewisse Zustimmung eingestehen, wenn ich Kommentare lese wie "Dann druckt euren Kram halt weiter auf Papier.". Klingt erstmal "brutal", aber aus der Sicht eines Internetnutzers der ersten Stunde die einzige vertretbare Haltung. Denn das Internet war bisher nicht primär zum Geldverdienen da, im Gegenteil zeichnet es sich ja gerade dadurch aus, dass jeder auch Inhalte einstellen und nicht nur konsumieren kann. Es ist nicht wie ein Fernsehen oder eine Zeitung zu betrachten, wo eine große Anzahl Empfänger/Leser/Nutzer/Kunden eine oder mehrere große Nachrichten-/ Unterhaltungs-Quellen hat, sondern jeder ist Empfänger und Quelle gleichzeitig. Das Internet hat sich so auch erst mal aus unbezahlten Angeboten entwickelt (wer bezahlt all die Kommentatoren, Blogger und privaten Websitebetreiber?). Die Verlage kamen später dazu und überlegen nun, wie sie in diesem von semiprofessioneller, aber kostenloser Konkurrenz geprägten Medium Geld verdienen können. Erstmal stellen sie ihr Angebot auch mehr oder weniger frei zur Verfügung, dann rufen sie aber nach dem Staat, das Angebot "besser zu schützen". Ist es den Internetnutzern da zu verübeln, wenn sie sagen: "bevor ihr bzw. der Staat eine Infrastruktur schafft, die die Vorteile des Netzes kaputt macht, bleibt doch mit euren bezahlten Angeboten fern, wenn ihr unzufrieden seid und keine Lösung wisst"? So kommt nach einigem Hin und Her dann auch raus, dass es scheinbar hauptsächlich um Google geht und Einnahmen für die Einbindung in Google News bzw. ähnliche Angebote. Hier schreibt ein Kommentator, dass es sich bei Google News um einen Webkatalog handelt und die Übernahme von ein oder zwei Sätzen durch das Zitatrecht abgedeckt sind. Einzig zu den Bildern bei Google News lenkt er ein: "D'accord. Das wäre der einzige Punkt, an dem ich Google in der (Zahl-)pflicht sehen würde. Es gibt zwar auch ein Zitatrecht für Bilder, aber bei Google News haben die Bilder IMHO einen rein dekorativen Charakter und sind daher nicht durch das Zitatrecht abgedeckt.". Da stimme ich zu.
Ich mache mir gerne auch weiter Gedanken, wie eine zufriedenstellende Pauschallösung aussehen könnte, denn auch ich bin ja von dem Lohn "kreativer" Arbeit abhängig. Aber erstmal muss ich genau aus diesem Grund (Geldverdienen) jetzt das Gedankenmachen und Schreiben im Internet sein lassen und mich um das Tagesgeschäft kümmern.
Update: Lesenswert – Leistungsschutz ist keine Einbahnstraße
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6 Comments Add your own
1. furanku | Juli 14th, 2009 at 18:06
Hallo,
ich noch mal. Keine Angst Du hast jetzt keinen "Blog-Stalker"
Ich habe nur gerade mal nachgeguckt ob es im beim anderen Thema neue Kommentare gibt-.
Aber diese kleine Spitze kann ich mir dann doch nicht verkneiefen: Müßte die Überschrift nicht richtiger heißen: '"Hamburger Erklärung": Heise-Foren empört'?
Ich glaube nämlich schon, daß man zwischen den heise Lesern und den Nutzern des berüchtigten Forums vielleicht unterscheiden sollte … und die Überschrift liest sich dann doch auch etwas anders, oder?
Bei Kommentaren wie "Dann druckt euren Kram halt weiter auf Papier", wüßte ich eigentlich schon gerne mal wer eigentlich wen mit welcher Begründung aus dem Internet rausschmeißen darf. Und daß jeder Internetnutzer nun "Empfänger und Quelle" in gleichem Maße und Qualität sei wage ich auch einmal zu bezweifeln.
2. Musikdieb | Juli 15th, 2009 at 01:37
Zu Punkt 1: Naja, gelogen ist es nicht. Die Heise-Foren-Nutzer sind natürlich auch Leser, also stimmt die Überschrift, dass "Leser empört" sind. Und viele Nutzer kaufen bestimmt auch mal 'ne CT. Aber ein repräsentativer Querschnitt durch die Leserschaft aller Heise-Publikationen ist es natürlich nicht, das stimmt. Es ist schon ein wenig reißerisch, ich geb's ja zu…
Zu Punkt 2: Empfänger und Quelle in gleichem Maße natürlich nicht, das wäre ja langweilig. Aber ich betreibe z.B. ein Blog, welches schon einigermaßen professionell aussieht und könnte mit relativ wenig mehr Aufwand ein ganzes Musikportal betreiben oder ein Videoportal oder sonstwas. Das konnten bisher nur Massenmedien. Diese Vielfalt möchte ich auch nicht eingeschränkt sehen. Ich finde es allerdings schon gut, wenn es noch Profi-Journalismus gibt, aber ähnlich wie bei der Musik möchte ich deswegen keine Gesetzesverschärfungen. Und worum geht's eigentlich konkret von wegen rausschmeissen? Mit Überregulierung und Überwachung die Nutzer fernhalten vs.ein freies Netz, ohne großen Konzernen und Verlagen eine staatlich garantierte Einnahmequelle zu bieten? Da bin ich für zweites
3. furanku | Juli 16th, 2009 at 14:11
Zu 1) OK
Zu 2) Mit dem "Rausschmeißen" meine ich, daß diese "Dann druckt euren Kram halt weiter auf Papier"-Position mich immer ein wenig an Alfred Tetzlaff erninnert: "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst …" Diejenieg, die so etwas sagen implizieren ja, daß sie irgend ein besonderes Recht hätten, zu entscheiden, was man im Internet gefallen lassen muß und was nicht, selbst wenn es gegen bestehende Gesetze verstößt. Mit welchem recht eigentlich? Ist es "ihr" Internet?
Wenn Du nun ein Portal betreiben würdest, und ich würde einfach per Skript dieses stündlich kopieren, dies gegebenfalls noch mit anderen Portalen machen, und dann Geld mit Werbung verdienen: Wärst Du nicht zu recht sauer, daß Du die ganze Arbeit hast? Und erst recht wenn Du auf deinem Portal auch noch eigene Arbeiten präsentierst, die Deine Zeit und Deine Arbeit gekostet haben? Ja, du womöglich sogar Vollzeit an Deinem Portal arbeiten würdest?
Das ist aber doch das was heise und Co. passiert. Die Hamburger Erkläung mag ungeschickt formuliert sein, und mit Springer in der Unterzeichnerliste einen verständlichen Unsympathiefaktor haben, aber man bekommt es so einfach nicht vom Tisch, daß die Unterzeichner wirklich einen Punkt haben.
4. Musikdieb | Juli 16th, 2009 at 15:44
Die "Dann druckt euren Kram halt weiter auf Papier"-Position könnten wir noch ewig weiterdiskutieren, weil sie sehr allgemein gehalten ist.Für welche Gruppe sprechen die Befürworter eigentlich? Wem gehört das Internet? Der Allgemeinheit? Wer ist die Allgemeinheit? u.s.w… Aber ich finde eine "sture" Haltung a la Alfred Tetzlaff auch doof…
Konkreter wird's dann ja bei dem Portal. Dazu frage ich mich: Wo kommt es denn heute konkret vor, dass Inhalte per Skript kopiert und Geld damit verdient wird? Ich dachte, das kann man verhindern. Bei kommerzieller Nutzung bin ja auch ich nach wie vor gegen eine Freigabe.
5. furabnu | Juli 16th, 2009 at 16:30
Wo soetwas vorkommt? Es gibt doch hunderte, wenn nicht gar tausende dieser News Aggregatoren, news.google.com allen voran.
6. Musikdieb | Juli 16th, 2009 at 18:59
Aber da wird doch immer auf das Original verlinkt und der Text nur als Anriss dargestellt. Das ist doch sogar Werbung für das Angebot, oder?
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