Musik, Spiritualität, Freiheit und die Piraten

Januar 10th, 2010

Musik bedeutet Spiritualität

Spirituell bedeutet „geistig“. Geistige Werte sind spirituelle Werte. Wissenschaft ist „spirituell“. Beispielsweise: Mathematik. Es gibt den Spruch „Musik ist gefühlte Mathematik“. Wir hören die Fähigkeit des Musikers, sich auf (mathematisch berechenbare) Rhythmen und Töne bzw. Harmonien einzulassen. Musik machen bedeutet, spirituell zu sein. Musik hören bedeutet, Spiritualität hautnah zu erleben. Tanz bedeutet, gemeinsam diese Spiritualität zu erleben. Der Tänzer muss sich wie auch der Musiker auf die Musik, auf Rhythmik und Töne einlassen.

Spiritualität, wie ich sie meine, bedeutet nicht irgendetwas mysteriöses, nicht irgendeinen Kult, nicht irgendeinen Glauben an irgendetwas „Übernatürliches“. Es bedeutet das, was es aussagt: „Geist“, „Verstand“, „Gedanken“, „Bewusstsein“. Das ist das, was uns vom Tier unterscheidet und was wir gemeinsam in Musik und Tanz zelebrieren. Daher war Musik historisch lange Zeit religiös, nämlich so lange wie die gesellschaftliche Organisation maßgeblich von Religion geprägt wurde. Daher nutzen auch heutige Religionen Musik, um „den Herrn zu preisen“.

Religionen, die die Freiheit des Individuums propagieren, wie die der Rastafaris oder manche asiatische Glaubenszweige, tun dies auf eine erfrischende, einladende Art. Auch z.B. im Gospel der Afroamerikaner finden wir eine ähnliche Freude an der Spiritualität. Was haben diese Menschen uns voraus? Sie haben verstanden, dass Spiritualität kein Hokuspokus ist. Sie haben verstanden, dass der Geist frei ist. Dass wir keine Religionsführer brauchen, die uns sagen, ob oder wie wir zu der Macht reden sollen, die uns alle erschaffen hat. Dass jeder von uns selber für sich den ersten und besten Draht nach „oben“ hat.

„Die Gedanken sind frei“ sagt auch ein altes deutsches Volkslied. Vielleicht besteht ja auch hierzulande noch Hoffnung auf Einsicht.

Freiheit bedeutet die Freiheit des Individuums

Freiheit von Organisationen bedeutet Unfreiheit des Individuums. Freiheit des Individuums wird durch JEDE(!) Organisation beschränkt. Eine Organisation kann NIEMALS auf Dauer die Freiheit des Individuums verteidigen, da sie von dem Individuum übergeordneten Interessen gesteuert wird. Jede Organisation, die das versucht hat, ist gescheitert (Parteien, Religionen, Terror-Organisationen etc.). Auch die Piratenpartei wird scheitern, wenn sie das Parteiinteresse über das des Individuums stellt. Und das muss sie tun, um gegen andere Organisationen konkurrieren zu können.

Die Piratenpartei

Mir ging es bei der Parteigründung nicht um das Urheberrecht (Was vermutlich viele denken, da dies mein Haupt-Thema ist). Mir ging es ursprünglich um die Freiheit – die Freiheit des Individuums und die Freiheit des Geistes, der Spiritualität. Darauf wollte ich mit der Piratenpartei aufmerksam machen, da die Kernthematik sich genau darum dreht. Die Kernthematik lässt sich in dem Satz formulieren: Sogenanntes „Geistiges Eigentum“ bedingt einen unzumutbaren staatlichen Eingriff in die individuelle Privatsphäre.

Leider hat die Piratenpartei dann schnell angefangen, sich in konkreten politischen Fragen zu verzetteln statt diese Kernthematik wenigstens unter den eigenen Mitgliedern zu vertiefen und zu festigen. In Punkto Urheberrecht kamen sehr schnell Forderungen auf den Tisch, mit denen ich als Urheber mich definitiv gar nicht anfreunden kann, obwohl ich ganz klar für freies Filesharing, für einen Abbau von Urheberrechten, für einen freieren Umgang mit geistigen Werten bin. Ich habe fast den Eindruck, dass auch in der Piratenpartei bereits Lobbyisten der Musikindustrie am Werke sind, die uns das eine oder andere Kuckucksei ins Nest gelegt haben. Anders kann ich mir bestimmte Forderungen nicht erklären. Leider interessiert es kaum jemanden in der Partei, da dieses Thema keiner wirklich durchschaut. Auch mein Wissen in punkto Urheberrecht ist begrenzt, obwohl ich mich intensiver damit auseinandergesetzt habe als die meisten. Daher ist auch einer meiner Haupt-Kritikpunkte: Das Urheberrecht ist zu komplex. Die, für die es (angeblich) gemacht ist (die Urheber) können es ohne jahrelanges Studium gar nicht verstehen. So kommt es heute weniger auf die Qualitäten als Komponist/Texter/Musiker an, sondern auf die Qualitäten als Kaufmann/Jurist, wenn Geld mit Musik verdient werden soll. Oder eben, dass man solche Leute bei der Hand hat, was zum Beispiel der Fall ist, wenn man als Musiker bei einem großen Label unter (Knebel-)Vertrag ist.

Und solange das Rechtssystem so funktioniert wie es das momentan tut, nämlich dass man sich mit entsprechendem juristischen Fachwissen eine bessere Position verschaffen kann und dieses juristische Fachwissen käuflich ist, solange wird auch das Urheberrecht so funktionieren, dass es den Kaufleuten und Juristen die Macht über die Musiker gibt. Ich aber will die Musik von diesem Joch befreien, denn Musik bedeutet Spiritualität und die Spiritualität darf nicht dem Kommerz untergeordnet sein.

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4 Comments Add your own

  • 1. torsten  |  Januar 20th, 2010 at 17:07

    Musik ist Spiritualität.

    Dazu ist mir gerade noch eingefallen: "music is freedom, music is sex music is a drug, music is excess" – Electric Beat Crew (1989)

    Bist Du jetzt kein Pirat mehr?

  • 2. Musikdieb  |  Januar 20th, 2010 at 17:37

    Doch, ich bin noch Pirat. Zwar etwas skeptischer bezüglich der PiratenPARTEI, aber auch da bin ich noch Mitglied.

    Die Frage verstehe ich in dem Zusammenhang aber nicht so ganz?!?

    Das Zitat finde ich nett, aber etwas verkürzt. Musik ist meiner Meinung nach mehr als Freiheit, Sex, eine Droge und Exzess. Spirituell finde ich da treffender, auch wenn es den meisten wahrscheinlich erstmal zu esoterisch klingt.

  • 3. torsten  |  Januar 20th, 2010 at 20:19

    > Die Frage verstehe ich in dem Zusammenhang aber nicht
    > so ganz?!?

    na das posting klang für mich sehr danach, als ob Du gerade über Deine Position gegenüber den Piraten nachdenkst.

  • 4. Musikdieb  |  Januar 21st, 2010 at 14:22

    Das tue ich im Grunde ja schon seit der Gründung. Denn natürlich habe ich eine persönliche Position, die nie 100% die Piratenposition sein kann. So funktioniert nun mal Demokratie. Es hängt also davon ab, ob ich mich zum großen Teil mit der Position der Piratenpartei identifizieren kann und ob ich Einfluß auf diese habe.

    Die Forderung der Piraten, die Urheberrechte unter die Lebensspanne der Urheber zu senken, habe ich seit über 2 Jahren schon ausführlich kritisiert: http://www.musikdieb.de/?p=342http://www.musikdieb.de/?p=383http://www.musikdieb.de/?p=521 . Das würde mE eine klare Benachteiligung der Urheber gegenüber den Verwertern bedeuten, wobei es aber genug andere Stellschrauben am Urheberrecht gibt, die man erstmal angehen kann bevor man dies macht. Aus meiner Sicht als Urheber wäre es mir lieber, das Urheberrecht würde ganz abgeschafft als dass es auf mehrere Jahre nach Entstehung des Werkes verkürzt wird. Lustigerweise wird mir auf dieses Argument aus den Reihen der Piraten dann das Argument entgegengebracht, ich wäre ja "gegen" die Urheber, wenn ich das Urheberrecht ganz abschaffen wollte. Darauf folgt dann meine Argumentation: OK, WENN also Urheberrechte bestehen bleiben sollen (im Sinne der Urheber) dass man dann die Urheberrechte durch die Schrankenregelungen so gestalten sollte, dass für die Allgemeinheit ein Zugang zu Kultur und Wissen möglich ist, aber WENN denn nun noch eine kommerzielle Verwertung möglich sein soll, dann diese doch bitte am Urheber festzumachen und nicht an Konzerninteressen. Da steigen dann die meisten Piraten bereits aus. So weit hat das Thema scheinbar bisher kaum jemand durchdacht. Da interessieren sich die meisten Piraten auch nicht für und es findet kaum eine sinnvolle Diskussion statt, die das Thema gebührend behandelt.

    Nun warte ich also darauf, dass die Diskussion irgendwann mal an diesem Punkt angelangt.

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